Entstehung des Vereins

„Historische Landtechnik Wünnenberg“ und das Grandmühle Museum

Als in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Mechanisierung der Landwirtschaft immer rasantere Fortschritte machte und auch kleinere Betriebe ohne größere Helfereinsätze wirtschaften konnten, vermissten doch manche die gemeinsamen Arbeiten der Nachbarschaftshilfen z.B. beim „Maschinen“, dem Dreschen der Korngarben auf den Höfen.

Keimzelle Heimatverein

In Wünnenberg hatte sich im Jahre 1987 der Heimatverein gegründet. Der Verein veranstaltete im Zweijahresturnus ein historisches Markttreiben auf der Oberstadt rund um die Kirche, das schnell eine überregionale Beliebtheit erreichte. Die Beteiligung einiger Landmänner mit einer historischen Dreschaktion beim zweiten Markt im September 1990 hatte so großen Anklang gefunden, dass daraus eine eigene Abteilung „Landtechnik“ im Heimatverein wurde.

Daraus erwuchs 2002 auf Initiative des 1. Vorsitzenden Ferdi Otte ein eigener eingetragener gemeinnütziger Verein:

„Historische Landtechnik Wünnenberg e.V.“

Die Heimstatt des neuen Vereins wurde eine alte Zehntscheune direkt im Ortskern der Unterstadt, „Lückemeyers Scheune“. Die Sanierung des im Verfall begriffenen Gebäudes nach der Anmietung stellte den Verein vor große Herausforderungen, aber sie schweißte ihn auch zusammen.

Neben der jetzt möglichen Aufarbeitung alter Landmaschinen und Gerätschaften wurden auch weiterhin Feldaktionen durchgeführt, und durch fleißige Mithilfe der Frauen des Vereins konnte beim alle 2 Jahre stattfindenden Stadtfest ein echter Anziehungspunkt geschaffen werden.

Die Grandmühle

1998 stellte sich eine neue Herausforderung. Die seit Anfang des Jahrhunderts bis 1957 betriebene Grandmühle sollte dem Ausbau der Landstraße L 549 weichen. Sie war da bereits im Stadtbesitz und wurde 1992 vom Denkmalamt in Münster als erhaltenswertes technisches Kulturdenkmal – in dieser Form einzigartig in NRW – unter Schutz eingestuft. Sofort erklärte sich Ferdi Otte für die Landtechnik bereit, diese einzigartige Technik nach der Demontage durch die Feuerwehr einzulagern und später wieder in Funktion zu bringen. Das sollte aber mehr als 20 Jahre benötigen.

2016 war der Wiederaufbau im lokalen Entwicklungskonzept unserer Leader- Region verankert und sollte mit 168 000,- € ^= 65% der Rohbausumme gefördert werden.

Nach langen Beratungen wurde endlich am 12. August 2019 der Förderbescheid erteilt – allerdings überraschenderweise nur über 89 000,- €, weil auf Betreiben der Stadt der Antragsteller nun der Verein und nicht mehr die Stadt war.

Lebendiges Museum Ebbers Grandmühle

Trotzdem hat die historische Landtechnik die Baumaßnahme zügig begonnen und konnte Mitte des Jahres 2020 weitgehend abgeschlossen werden:

Das „lebendige Museum Ebbers Grandmühle“ ist wieder vorzeigbar und inzwischen auch in der Museumsinitiative OWL verankert. Vorläufig kann das Museum nur nach Terminvereinbarung und jeden Mittwoch ab 18.00 Uhr besucht werden. Aber an regelmäßige Öffnungszeiten ist gedacht, sobald die entstandene Finanzierungslücke geschlossen werden kann.

Nur durch enorme Eigenleistung des Vereins und private Sponsoren sind wir soweit gekommen. Weitere Spender sind herzlich willkommen.

Die eigentliche Mahltechnik ist zwar wieder funktionabel, muss aber noch perfekt installiert werden. Auch barrierefreie Zugänge und Sanitäranlagen müssen noch eingerichtet werden.

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Große Scheune mit Landtechnik

Neben der alten Technik kann auch die große Scheune nebenan mit den alten Landmaschinen – Traktoren, Dreschkasten u.v.a. – besichtigt werden. Jedes Jahr Mitte August werden diese Geräte im Rahmen eines Sommerfestes bei Ernteeinsätzen vorgeführt und laden zum Mitmachen ein.

Auch am deutschen Mühlentag, Pfingstmontag, wird die Grandmühle das Gebäude vibrieren lassen. Grand = grober Quarzsand wird vor Ort im alten Bruch abgebaut. Die Verwendung des gesiebten Materials war einst als feuchtigkeitssperrender Mörtel sehr gefragt.

Den besten Ruf hatte aber die daraus gefertigte Dacheindeckung, genannt „Wünnenberger Platte“. Sie gibt es bis heute noch in Restbeständen als sturmfeste Dacheindeckung. Und das nach nachweislich mehr als 100jähriger Liegezeit!

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